Bild: Leitungslokation vor Ort
Bertram Bölkow/TEN

Der vermessene Freistaat

GIS – das Maß der Dinge

Mit dem Geoinformationssystem der TEN lassen sich alle Leitungen im Gebiet des Netzbetreibers mit wenigen Mausklicks punktgenau lokalisieren. Gut für die Versorgungssicherheit und wichtig für die, die anderen eine Grube graben.

„Liebling, ich möchte einen Pool im Garten.“ Dieser feucht-fröhliche Wunsch könnte bei dem einen oder anderen Thüringer dazu führen, dass auf dem eigenen Grundstück bald der Bagger anrollt, um die Grube für das ersehnte Schwimmbecken auszuheben. Anlässe gibt es jetzt im Frühjahr viele, um vor der eigenen Haustür den Spaten zu schwingen. „Gräbt man dabei tiefer als einen Spatenstich, benötigt man dafür grundsätzlich einen Schachtschein, oder wie es korrekt heißt, eine Planauskunft“, sagt Andrea Hähnlein von der TEN Thüringer Energienetze GmbH & Co. KG. Sie ist im Bereich Projektbau/Dokumentation der TEN die Teamleiterin für das Geoinformationssystem (GIS) und nennt gute Gründe, warum eine solche Auskunft sinnvoll und darum vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist:
„Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Straßenbeleuchtung, Telekommunikation – unter der Grasnarbe oder der Straßendecke entspannt sich in Thüringen ein weit verzweigtes Netz an Leitungen. Wer bei Erdarbeiten eine solche Leitung beschädigt, haftet nicht nur für den entstandenen Schaden, sondern riskiert auch seine Gesundheit.“ Von Bauträgern, Baufirmen, Energieversorgern und Privatpersonen werden an die TEN pro Jahr 26.000 Anfragen zur Planauskunft gerichtet. Und der Netzbetreiber hat in den vergangenen Jahren viel investiert, um diese Anfragen schnell und genau zu beantworten.

Auf den Dezimeter genau

In unserer Datenbank sind allein für unser Strom- und Gasnetz mehr als 1,1 Millionen Leitungsabschnitte verzeichnet. Wir wissen also genau, wie es unter der Erde des Freistaates aussieht.

– Andrea Hähnlein

Wie genau, verrät Michael Scharfenberg, der das Team Netzdokumentation der TEN leitet. „Unser Anspruch ist, dass jede Leitung, die in unserem Geoinformationssystem hinterlegt ist, mit einer Genauigkeit von 1 Dezimeter erfasst wurde.“

Bild: Frau Hähnlein zeigt am mobilen Gerät, wo die Leitungen liegen
Betram Bölkow/TEN
Bild: Über mobile Geräte können die GIS Leitungen vor Ort genau lokalisiert  werden.
Bild: TEN-Mitarbeiter im Einsatz
Bertram Bölkow/TEN

Bits und Bytes statt Papier

Wenn man so will, gleicht das Leitungsnetz einem menschlichen Nervensystem und das Geoinformationssystem der TEN wäre das Gehirn, in dem alle Informationen dazu gespeichert sind. „Bis in die 1990er Jahre haben wir jede Veränderung im Versorgungsnetz mit Lineal und Rasierklinge in Ortspläne im Maßstab 1:500 händisch eingetragen“, erinnert sich Andrea Hähnlein. „Unsere Aktenschränke mit den Plänen füllten ganze Flure.“ Ab Mitte der 1990er Jahre begann man damit, die Datenerfassung zu digitalisieren. Um auch den letzten Papierplan ablösen zu können, wurde in ganz Thüringen via GPS neu vermessen – entweder via Hubschrauber aus der Luft oder am Boden per Hand. Die Daten wurden geprüft, in das neue Computerprogramm eingepflegt und in digitalen Ortskarten hinterlegt. „Der Aufbau des GIS war ein Langzeitprojekt, das wir 2012 abschließen konnten“, so Michael Scharfenberg.

Geodaten per Mausklick

Eine Investition, die sich in jedem Fall auszahlt, weil jede Leitungsauskunft heute mit wenigen Klicks verfügbar ist. „Sind unsere Mitarbeiter vor Ort, um unser Leitungsnetz zu modernisieren oder auszubauen, können sie auf ihren mobilen Geräten mit dem GIS Leitungen genau lokalisieren und sofort mit der Arbeit beginnen. Wenn es zu Störungen in unseren Netzen kommt, sind die Monteure dank GIS schnell an der richtigen Stelle, um mögliche Schäden zu beheben. Gleichzeitig ist es mit den Daten, die im GIS hinterlegt sind, möglich, die Kapazität unserer Netze zu überprüfen. Das erleichtert die Netzplanung und -steuerung sowie die Zusammenarbeit mit der Bundesnetzagentur“, fasst Andrea Hähnlein zusammen. Ebenso werde beim Anschluss neuer Anlagen, wie zum Beispiel Windparks, auf das GIS zurückgegriffen oder wenn größere Industrieunternehmen die Wartung und Störungsbehebung oder Beauskunftung ihrer eigenen Energienetze an die TEN übertragen. Und letztendlich hat auch jeder Thüringer etwas davon, der im Gebiet der TEN zu Hause ist.

Über unser Planauskunftsportal kann jeder nach einmaliger Registrierung eine Anfrage zur Planauskunft an uns richten. Wer also im Sommer im neuen Pool baden möchte, erhält von unseren Mitarbeitern dank GIS bereits einen Tag nach der Anfrage eine ausführliche kostenfreie Planauskunft. Diese enthält einen entsprechenden Plan vom Grundstück mit Erläuterungen und weiteren Hinweisen und Sicherheitstipps zum geplanten Spatenstich.

– Michael Scharfenberg

Bild: Maßstabsgetreue Pläne
Bertram Bölkow/TEN
Bis in die 1990er Jahre wurde mit maßstabsgetreuen und von Hand gefertigten Plänen gearbeitet.

Hier geht‘s zum GIS

Vom Hausanschluss bis zur neuen Hochspannungsleitung – das Netz der TEN Thüringer Energienetze GmbH & Co. KG entwickelt sich immer weiter. Jedes Jahr bearbeiten die TEN-Mitarbeiter etwa 4.500 Netzveränderungen. Mehr als 1,1 Millionen Leitungsabschnitte des Strom- und Erdgasnetzes sind im GIS gespeichert. Hinzu kommen die Netzinformationen für die Fernwärme, Telekommunikation und Straßenbeleuchtung.

Planauskunft

Planauskünfte können über das Planauskunftsportal der TEN direkt abgefragt werden.

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