TEN baut 450 MHz Netz in Thüringen aus
Carlo Bansini/TEN

Neue Funktechnik für die Energiesteuerung

Die TEN Thüringer Energienetze baut das 450-MHz-Digitalfunknetz in Thüringen aus.

64 Meter ragt der neue Funkmast auf dem Weimarer Berg in Apolda in die Höhe. Im November 2020 wurde der Stahlgittermast im Apoldaer Umspannwerk mit Hilfe eines Spezialmontageunternehmens errichtet. Insgesamt 73 Funkstandorte wird die TEN Thüringer Energienetze thüringenweit selbst aufbauen oder mit geeigneter Funktechnik erweitern. Auch im Umspannwerk Nordhausen-Salza und Blankenhain sind bereits die Fundamente für neue Funkmasten fertiggestellt. Die optisch an Hochspannungsmasten angelehnte Stahlkonstruktion hat nämlich eine wichtige und zukunftsweisende Funktion: Künftig soll über die am Mast befestigten Antennen und Sendeanlagen das 450-Megahertz-Digitalfunknetz im Versorgungsgebiet realisiert werden.

Vorteile des 450-MHz-Netzes

Für die TEAG-Tochtergesellschaften TEN Thüringer Energienetze sowie die TMZ Thüringer Mess- und Zählerwesen Service ist die Nutzung des 450-MHz-Frequenzbandes von besonderer Bedeutung. Denn die Frequenz wird u.a. zur Steuerung und Beobachtung von Netzbetriebsmitteln, EEG-Einspeisern und zur drahtlosen Notfallkommunikation benötigt. Gerade im sogenannten „Schwarzfall“, also im Falle eines flächendeckenden Stromausfalles, kann mit einem autarken Kommunikationsnetz auf 450-MHz-Basis die Energieversorgung wieder hochgefahren werden. Für den geplanten Aufbau der Funkstandorte im TEN-Netzgebiet gelten deshalb auch spezielle Voraussetzungen: Die Masten in Umspannwerken werden direkt aus der Batterie-Anlage versorgt und mit Notstromaggregaten ergänzt.

Das 450-MHz-Frequenzband ist für die hochsichere Datenübertragung hervorragend geeignet. Die verhältnismäßig langwellige Frequenz ermöglicht gegenüber dem klassischen Mobilfunk eine sehr gute Gebäudedurchdringung. Es können also auch Messeinrichtungen in verwinkelten Gebäuden und in Kellerräumen erreicht werden. Deswegen nutzt auch die TMZ die Frequenz für den Betrieb ihrer Smart-Meter-Gateways.

Zudem verfügt die Frequenz über eine große Reichweite: Um ganz Thüringen abzudecken sind nach aktuellen Planungen ca. 73 Funkstandorte erforderlich. Elf Standorte sind bereits in Betrieb.

TEN baut 450-MHz-Netz in Thüringen aus
Carlo Bansini/TEN

Der Funkmast in Apolda wurde mit Hilfe eines Spezialmontageunternehmens errichtet.

TEN baut 450-MHz-Netz in Thüringen aus
Carlo Bansini/TEN

Rückblick: Krimi um die zukünftige Nutzung der Funkfrequenz

Für die weitere Nutzung der Spezialfrequenz stand ein echtes Problem im Raum. Die bisherigen Nutzungsrechte liefen zum 31. Dezember 2020 aus. Eine Neuvergabe durch die Bundesnetzagentur als zuständige Behörde stand an. Auch die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), vertreten durch das Bundesministerium für Inneres und Verteidigung, meldeten Bedarf an der Frequenz an. Über drei Jahre hat das intensive Ringen um die zukünftige Nutzung der 450-MHz-Funkfrequenzen gedauert. Am 16. November 2020 fiel die Entscheidung: Die Präsidentenkammer der Bundesnetzagentur sieht die Frequenzen zukünftig bei den Anwendungen der kritischen Infrastrukturen der Energie- und Wasserwirtschaft. Vorausgegangen waren langwierige und intensive Verhandlungen mit allen betroffenen Bundesministerien bis hin zum Bundeskanzleramt.

Diese Entscheidung der Bundesnetzagentur ist ein wichtiges Signal für die gesamte Energiebranche. Mit Sicherheit auch ausschlaggebend war die bundesweite Einigkeit im Wettbewerb um die 450-MHz-Frequenzen. Im Sommer 2020 wurde mit dem Joint Venture „450connect“ ein Schulterschluss zwischen dem bisherigen, alleinigen Anteilseigner und den Konsortien um mehrere regionale Energieversorger – u. a. TEAG – der E.ON/innogy und der EnBW/Versorger-Allianz erreicht. Nach der finalen Frequenzvergabe in 2021 soll das Joint Venture ein solides und finanziell abgesichertes Branchenmodell werden. Zusammen stellen diese Unternehmen auf 90 Prozent der Fläche Deutschlands rund um die Uhr die Energieversorgung sicher.